30
Aug
12

VfB Stuttgart 1893 (II) – Die Unaussprechlichen 2:0 (3. Liga)

Nachdem die Relegationsspiele der 2. und 3. Liga gespielt waren, und der KxC den Kürzeren ziehen mußte gegen glückselige Regensburger, war der Leckerbissen zum Saisonanfang angerichtet. Schon alleine die Tatsache, daß die erste Mannschaft der badischen Komplexträger gegen unsere zweite Mannschaft antreten mußte, war für die Anhänger mit dem roten Brustring ein Erfolg. Und es ging noch weiter, so daß man den 04.08.2012 mit Fug und Recht als württembergischen Festtag bezeichnen darf. Nachdem das Degerlocher Waldau-Stadion den notwendigen Sicherheitsanforderungen nicht entsprach, wurde von VfB-Seite entschieden, das Derby im geliebten Neckarstadion stattfinden zu lassen. Eine sehr kluge Entscheidung, haben doch insgesamt 19.970 Zuschauer dem Spiel den ehrwürdigen Rahmen geboten, was für die 3. Liga Rekord ist. Der durch erschreckend schwache Gegner niemals gefährdete 2:0-Erfolg war dann noch das Sahnehäubchen.

Aufgrund der wieder einmal großzügig verstrichenen Zeit möchte ich nur ein paar Spieler unserer neuen „Jungen Wilden“ hervorheben, die diesen 04.08. zum Festtag machten:

Daniel Vier (IV): Trat als einer der Ü23-„Oldies“ absolut souverän auf und leistete sich keine nennenswerten Schnitzer.
Michael Vitzthum (LV): Legte eine richtig gute Partie in seiner ersten Drittliga-Saison hin. Defensiv alles im Griff und mit vielen gefährlichen Vorstößen in die Offensive.
Erich Berko (DM): Für mich der beste VfB’ler auf dem Platz, da er keinen Ballverlust hinnahm, sondern engagiert rannte und kämpfte. Eine grandiose Ballrückeroberung brachte ihm sekundenlangen Szenenapplaus ein.
Rani Khedira (DM): Als kleiner Bruder des unvergessenen Sami kam er reichlich in den Fokus im Vorfeld. Machte jedoch seine Sache für Spielaufbau und -ordnung gut.
Tobias Rathgeb (ZOM): Es ist richtig von Kramny, ihm die Kapitänsbinde zu geben. Legte den Grundstein mit seinem frühen Tor zum 1:0.
Christoph Hemlein (ST): Neben dem engagierten und fleißigen Soufian Benyamina immer ein Gefahrenherd, der noch in der Anfangsviertelstunde das vorentscheidende 2:0 besorgte. Blieb hungrig, das 3:0 zu erzielen, jedoch aber etwas glücklos.

Support:
Nachdem die Cannstatter Kurve im Unterrang auf den Steh- und Sitzplätzen voll besetzt war, war der Tisch für das Fest in weiß und rot gedeckt. Schon vor dem Anpfiff wurde der VfB-Nachwuchs mit aufmunternden Sprechchören für das Derby heißgemacht, und man konnte sagen, daß sich vor dem Spiel die typische Anspannung und das Flirren in der Luft in der Kurve breitmachte. Somit können wir uns einen durchaus guten Start in die Saison 2012-2013 bescheinigen. Die mittlerweile klassischen Gassenhauer wie das „Jaaa, der VfB!“ oder das gute, alte „OleOla“ ließen die Kurve zu beträchtlicher Lautstärke kommen, was bei sommerlichen Temperaturen mitunter recht anstrengend war. Highlight nach dem Spiel war die unumgängliche „Umba“, in der unserem Capitano Tobi Rathgeb das Mikro in die Hand gedrückt wurde. So ließ sich der Derbysieg gleich doppelt so gut schmecken. Natürlich kamen handfeste Pöbeleien nicht zu kurz, die mitunter spontan auch aus den anderen Blöcken der Kurve angestimmt wurden. Aus Gründen des Jugendschutzes möchte ich darauf nicht explizit eingehen. 🙂
Der badenser Anhang ließ sich auch nicht lumpen, brachte man doch einen beträchtlichen Mob von rund 6.000 Auswärtsfahrern mit. Im Nachhinein kann man natürlich sticheln, daß so ein riesiger Aufwand betrieben wird, in die verhaßte Landeshauptstadt zu fahren, nur um sich dann von den Stuttgartern den A… aufreißen zu lassen. Trotz aller Rivalität muß man aber zugeben, daß die Präsenz beachtlich und aller Ehren wert war. Optisch ließ sich die blaue Fangemeinde nicht lumpen, Einheitsdress in blau mit dem Slogan „Liebe kennt keine Liga“ war angesagt. Akustisch jedoch war der Auftritt der Gegenseite ziemlich mau, bis auf einige Pöbeleien am Anfang kam bis zum Schlußpfiff nichts mehr Erwähnenswertes von deren Seite. Da war vor rund 4 Jahren durchaus mehr geboten, was uns in unserem Siegesrausch keinesfalls störte, sondern zu weiteren Pöbeleien ermunterte.

30
Dez
11

VfB Stuttgart 1893 e.V. – FC Bayern München AG (Bundesliga) 1:2

Warum…? Warum geht es immer kurz vor Weihnachten gegen den ungeliebten, unwichtigen Verein im Südosten Deutschlands? Und warum bin ich nach diesem Spiel immer fertig wie ein Schnitzel, physisch wie emotional? Und warum geht dieses %@#-Spiel verloren, ist man doch der moralische Sieger und hat alles gegeben? Satz mit X, es wurde nix mit dem ersehnten Sieg, von dem man am darauffolgenden Montag wie auch in den nächsten Wochen zehren kann, ganz besonders in einer Region, in der sich die Zuneigung auf genau diese beiden Vereine konzentriert. Und ach ja… warum trifft eigentlich dieser  %@# Mario Judas G. immer gegen uns?
Durchatmen… es bringt nichts, sich knapp 3 Wochen nach dem Spiel in Rage zu schreiben, nur wirken die Geschehnisse bei diesem Spiel noch zu sehr nach. Im Großen und Ganzen ist es mir eigentlich wurscht, zum wievielten Mal der Münchner Drecksladen Meister wird, aber bei uns daheim gewinnen und sich groß aufspielen, das geht einfach gar nicht.

Wie gesagt, die Jungs auf dem Platz haben allesamt aufopferungsvoll gekämpft, so daß sich selbst der geneigte neutrale Beobachter (sofern er eben nicht mit den Nordösterreichern sympathisiert) zu der Behauptung durchringen kann, daß eine Punkteteilung durchaus verdient gewesen wäre. Gut klar, wir sind streckenweise heftigst geschwommen und bekamen die Münchner Offensivabteilung nur selten und wenn, dann mit extrem hohen Aufwand in den Griff. Nur stelle ich die Frage in den Raum, was gewesen wäre, wenn sich ein gewisser Arjen Robben eben nicht um den Oscar beworben hätte, und Rafinha nicht (wie es die Gesetze des Fairplay beschreiben) Molinaros Platzverweis gefordert hätte? Nun ja, hätte, hätte…  Nichtsdestotrotz möchte ich dem geneigten Leser folgendes Gedicht nicht vorenthalten, das  3 Tage nach dem Spiel per Mail gekommen ist:

Ein Wind…, so schwach, er rührt kein Blatt, da lachen selbst die Würmer, doch einen macht das Lüftchen platt:
…. den Holländischen Stürmer !

Der arme Tropf, er fällt wie ein Baum,
und wälzt sich voller Schmerzen,
“ Herr Doktor…., kommt er durch… ?“ –
“ wohl kaum“
der Pastor sucht schon Kerzen !

Es folgt gelb-rot und dann…., genau:
Genesung !!!… seht Ihn hoppen !!!
In Schwaben heißt das: “ Dumme Sau… !
In Bayern: …“ Arjen Robben“ !!!!

Support:
Man will ja nicht dauernd meckern, auf den Rängen war dieses Spiel etwas so richtig Befreiendes. Durch den vielumjubelten Abstieg des KxC fehl so etwas die Figur, an der man sich vortrefflich abreagieren kann durch endloses Pöbeln sowie Hinausbrüllen jugendgefährdender Kraftausdrücke. 😉 Und ja, die Kurve war vor dem Spiel kochend heiß, so daß das „Warmsingen“ vor dem Spiel noch etwas früher als sonst begann. Und da waren sie wieder, die altbekannten Schmähgesänge gegen den Rekordmeister mitsamt seinen Anhang. War man durch die Großchance der Bayern aus Minute 3 noch geschockt, so ging sämtliche Anspannung in den Torjubel zum 1:0 für die Guten drauf. Wow, was für ein Roar! Ich selber verlor in dem Moment die Stimme und sollte sie auch bis Montagabend nicht wirklich wiederfinden. Zwar machte sich nach den beiden Gegentreffern die Enttäuschung im Stadion breit, aber der Cannstatter Anhang verlor niemals den Mut und gab so richtig alles. Insgesamt der beste Saisonauftritt nach dem Auftakt gegen Schalke!

Beinahe schon gewohnheitsmäßig rückte der aktive gegnerische Mob sowie die Erfolgsfans drumherum vielzählig in Stuttgart an und wurde sogar laut übereinstimmenden Berichten in der Cannstatter Kurve vorstellig. So langsam sollte sich der Verein um die Weitergabe der Karten Gedanken machen, das ist ein Pulverfaß sondersgleichen! Zu Beginn fackelte man im Gästeblockbereich auf höchst gefährliche Weise ein kleines Bengalo ab, was mit reichlich Pfiffen von den Tribünen quittiert wurde. Weiterhin präsentierte sich der Gastanhang sehr sangesfreudig und wirklich laut. Hier muß bei aller Abneigung und Rivalität auch ein kleines Lob ausgesprochen werden. Ebenso beeindruckend ging die Schalparade kurz vor Spielende vor sich, bei der beinahe der komplette Gästeblock miteinbezogen werden konnte.

30
Dez
11

VfB Stuttgart 1893 e.V. – 1. FC Köln (Bundesliga) 2:2

Eine Dauerkarte, die ist was Feines. Keine elenden Karten-Suchaktionen mehr, man geht einfach zu den Spielen, die man sehen will. Nur muß ich vorab gestehen, daß ich auf dieses Spiel mal so absolut keine Böcke hatte, und das lag nicht am Maskottchen des Gegners. Sorry, Flachspaß, den konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Die Ergebnisse der Heimspiele gegen die Geißböcke der letzten Jahre waren einfach nicht das Gelbe vom Ei, und das völlig ärgerliche 0:1 der Vorsaison war einfach noch zu frisch. Und auch dieses Jahr sollte die 13-jährige Durststrecke gegen den FC anhalten, es sprang ein Unentschieden raus, das sich für uns wie eine gefühlte Niederlage anfühlte. Zwar kam man gut nach einem für mich unverdienten Elfmeter (was auch sonst?) zurück, der Makel des späten Ausgleichstors blieb jedoch haften.

Eine Spielereinzelanalyse entfällt leider, da mal wieder zu viel Zeit vergangen ist. Jedoch möchte ich einen Spieler positiv hervorheben, der sich über lange Zeit herbe Kritik anhören mußte: Es ist Christian Gentner, der nun endlich auf seinem tatsächlichen Leistungsniveau wieder angekommen ist. Nicht nur war er als Doppeltorschütze für die lange sicher geglaubte Führung verantwortlich, sondern zeigte auch im ganzen Mittelfeld Präsenz und großen Fleiß. Weiter so, Christian!

Support:
Nach dem mauen Heimauftritt gegen Augsburg sollte die Cannstatter Kurve wieder zeigen, zu was sie in der Lage ist. Ein glänzend aufgelegter aktiver Mob gab es sich mit den umliegenden Blöcken mal so richtig. Mal wieder schön viel Materialeinsatz, der zeigte, was in dieser Kurve möglich ist. Trotz des ungeliebten Samstagabend-Termins war das Stadion beinahe ausverkauft, was sich darin manifestiert, daß der „VfB“-Wechselgesang zwischen Cannstatter und Untertürkheimer Kurve immer besser klappt und zum feststehenden Element eines jeden Spiels wird.

Köln kam zahlreich nach Stuttgart und sparte ebenso nicht mit Material. Ebenso kam von deren Seite zu Spielbeginn und Wiederanpfiff reichlich Pyrotechnik mit roten Bengalos zum Einsatz, was immer etwas problematisch ist. Dankenswerterweise wurde mit dem Zeug verantwortungsvoll umgegangen, so daß es keine Verletzten gab und die brennenden Leuchtfackeln nicht unkontrolliert durch die Gegend geworfen wurden. Von der Lautstärke her war es wieder einmal ein extrem engagierter und gelungener Auftritt des kölschen Anhangs, die sich ein ums andere Mal Gehör im weiten Rund verschaffen konnten.

06
Dez
11

VfB Stuttgart 1893 e.V. – FC Augsburg (Bundesliga) 2:1

Sonntag nachmittag, 17:20 Uhr. Ein Aufatmen geht durch die Cannstatter Kurve. Es war geschafft, der nötige Sieg gegen den FC Augsburg war eingefahren. Sicher, wir waren Favorit. Aber ob man tatsächlich Favorit ist, oder nur zu einem solchen erhoben wird ob des aktuellen Tabellenstands, das sind wie so oft 2 Paar Schuhe. Mühsam, wackelig und vor allem nervenzehrend war es, da sich die Augsburger nicht zum Schlachtvieh machen lassen wollten sondern ein ums andere Mal gefährlich agierten. Sicher, es gab Entlastungsangriffe und nicht wenige Konter, letztlich Zählbare entsprang dabei nicht. Ich hoffe nicht, daß uns dieses Phänomen noch weiters die Saison hindurch begleitet.
Wer hat geholfen, die 3 Punkte unter Dach und Fach zu bringen? Hier kommen sie:

Ulreich: Machte eine sehr gute Partie, und man hätte sich gewünscht, daß er die Null festgehalten hätte. Einzig und allein das 2:1-Anschlußtor konnte ihn bezwingen.

Boulharouz: Nach vorne sehr aktiv, wenn auch nicht immer glücklich. Gehörte zu den motivierteren Protagonisten an diesem Nachmittag
Tasci: Solide, ordentliche Partie. Leider nicht immer voll im Durchblick, was jedoch zum Glück keine weiteren Folgen hatte.
Niedermeier: Vertrat den gesperrten Maza und machte seine Sache gut. Einfach in der Relation dazu, was er an Spielpraxis hatte.
Molinaro: Leicht verbessert in der Spielannahme, Leistung war ok.

Kvist: Blieb diesmal auf der defensiven 6er-Position alleine und war ab und zu mit den Kontern der Augsburger etwas überfordert.
Hajnal: Wieder mal Ballverteiler im Mittelfeld, einer starken ersten Halbzeit folgte eine schwächere Zweite. Blieb aber für 90 Minuten auf dem Platz.
Harnik: Zusammen mit Traoré bester Mann auf dem Platz, der seine Leistung mit seinem Doppelpack nur bestätigte.
Traoré: Extrem engagiert und lauffreudig ging er zu Werke. Was seinen Beitrag etwas schmälerte war, daß seine Offensivkollegen teilweise nicht schnell genug nachrücken konnten.

Cacau: Zur Abwechslung mal nicht Alleinunterhalter im Sturm, was ihm ganz gut tat. Bleibt im Abschluß jedoch weiterhin erfolglos.
Pogrebnyak: Ein weiterer engagierter Auftritt von ihm. Konnte seine Bemühungen nur leider nicht in Zählbares ummünzen.

Okazaki: Kam für den ausgepumpten Traoré und sah unglücklich aus, als ihm Cacau mangels Orientierung im Strafraum ein potentielles Tor nahm.
Gebhart: Kam für Pogrebnyak und versuchte, sich noch etwas in Szene zu setzen. Leider blieb auch dies brotlose Kunst.
Kuzmanovic: Kam für Cacau zur Stärkung der Defensive. Konnte aber keine Akzente mehr setzen.

Support:
Nachdem man sich wieder einmal rund 20 Minuten vor dem Spiel in Stimmung gesungen hatte, zeigte sich das farbenfrohe Intro im Unterrang der Cannstatter Kurve. Mit dem Spruchband „Alle vereint für den Verein mit Tradition aus Cannstatt“ (nach einem Fangesang) wurde dies schön untermalt. Noch schöner wäre es gewesen, wenn genau dieses Lied angestimmt worden wäre, nur wäre das wohl in der Einlaufmusik vom Band untergegangen.  So schickte sich der Unterrang an, für Stimmung zu sorgen, nur konnte der Funke nur vereinzelt auf die restliche Kurve überspringen. Auch die Garde aus dem Oberrang mühte sich redlich, aber irgendwie wollte der geschlossene Support nicht komplett klappen. Nicht einmal unser „Oleola“ erreichte gewohnte Lautstärken, so daß man fast von Sonntagsmüdigkeit sprechen konnte.

Die Augsburger kamen nicht so zahlreich an, wie man das auf Cannstatter Seite erwartet hatte. Der Gästeblock war gerade einmal zu drei viertel gefüllt, vielleicht hatte auch hier der eine oder andere keine Lust, die 163 km lange Strecke anzutreten. Im Vergleich zu den letzten Gästeanhängerschaften wie Hannover oder Hamburg reiste man jedoch mit einer Handvoll Doppelhaltern an, die einen durchgängigen Support untermalten. Dieser wurde hauptsächlich vom Unterrang durchgeführt, aber mit einer solchen Inbrunst vorgetragen, daß die Augsburger sich ein ums andere Mal Gehör in der Cannstatter Kurve verschafften. Oft werden die Augsburger als „Klein-Retortenklub“ verunglimpft, nur machte ihr Anhang dafür eine viel zu gute Figur. Fazit: Allemal besser als Leverkusen oder Wolfsburg!

08
Nov
11

VfB Stuttgart 1893 – Ballspielverein Borussia Dortmund 1909 (Bundesliga) 1:1

Obwohl es diesmal mit einer nicht ganz so zeitnah veröffentlichten Nachbetrachtung geklappt hat, möchte ich den geneigten Leser trotzdem nicht mit einer solchen verschonen. Beginnen will ich schon diesmal von meinem von Stuttgart 110 km entfernten Wahlheimatort. Und ich war angespannt im Vorfeld dieses Spiels. Da konnten nicht mal die zu Hause zu erledigenden Fronarbeiten (aka Kehrwoche, man isch halt im Schwobaländle) für Ablenkung sorgen. Hatte sich mit dem BVB keine Laufkundschaft Marke Hoppeldingenskirchen angekündigt, sondern ein veritabler Gegner auf dem Rasen wie auch auf den Rängen.

Das Spiel begann aufgrund des Verkehrschaos rund um Stuttgart, dem direkt der BVB-Mannschaftsbus zum Opfer fiel, eine Viertelstunde später, was jedoch dem Geschehen an diesem 29.10.2011 keine Steine in den Weg legen sollte. Wir durften Zeuge eines wirklich geilen Spiels werden, in dem die Kräfteverhältnisse ausgeglichen waren, und man sich gegenseitig nichts schenkte. Gut, rückblickend und fairerweise muß man sagen, daß wir eine Glückssekunde erlebten, als Gräfe nach einem Foul von Molinaro an Götze eben nicht auf Strafstoß entschieden hatte. Alles in allem fanden sich wiederum Momente, in denen wir auch gut in der Lage waren, dem BVB einen Treffer mehr einzuschenken.

Soviel dazu, und jetzt geht’s an die Einzelkritik:

Ulreich: Ein wahnsinnig starker Rückhalt unserer Mannschaft, der mal wieder zeigte, daß man nicht aufs falsche Pferd gesetzt hat. Machte eines seiner besten Spiele für den VfB.

Molinaro: Gute Akzente nach vorne, aber hinten nicht immer ganz sattelfest. Zeigte sich leicht überfordert, als Piscek und Götze zu zweit über seine Seite kamen.
Tasci: Lieferte eine ansprechende Partie und sammelte einen dicken Pluspunkt mit seinem wichtigen Führungstor.
Maza: Rannte, kämpfte, grätschte, auch wenn ihm nicht alles gelang. Dennoch eine solide Partie.
Boulharouz: Bissiger im Offensivspiel, hatte es wie Molinaro schwer, wenn die Borussia mit Kagawa und Schmelzer über links kam.

Kvist: Siehe vorherige Einzelkritiken. Ich will nicht immer dasselbe schreiben. 😉
Kuzmanovic: Tauchte in der ersten Halbzeit etwas unter, zeigte sich jedoch nach der Pause stärker und präsenter, was sich in seinem Gewaltschuß auf Weidenfellers Tor äußerte.

Okazaki: Zeigte sich sehr engagiert, agierte aber nicht immer ganz glücklich. Für ihn kam Traoré.
Hajnal: Lieferte nach seiner kleinen Formkrise wieder ein sehr gutes Spiel ab.  Hielt zusammen mit Kvist die Ordnung und stand für einen guten Spielaufbau nach vorne.
Harnik: Wirkte auch diesmal nicht ganz so glücklich. Einziges Highlight war sein Pfostenschuß, aus dem die 1:0-Führung heraussprang.

Cacau: Rannte wie immer verdammt viel, nur ließ er sich in den Momenten zurückfallen, als Okazaki und Harnik noch weiter hinten standen. Und das gibt ihm etwas den Ruch der tragischen Figur.

Traoré: Kam in Minute 70 folgerichtig für Okazaki und biß sich sofort in die Partie. Man merkt, daß er sich aufdrängen will, um aus der Reservistenrolle herauszukommen.
Hemlein: Ging in Minute 78 für Cacau auf den Rasen. Setzte ein paar Akzente, nur fiel das nicht mehr ins Gewicht.
Gentner: Durfte noch ein paar Sekunden ran, nachdem Hajnal sich seinen verdienten Applaus der 60.000 abgeholt hatte. Keine Wertung daher.

Support:
Wie nicht anders zu erwarten, war das Neckarstadion gegen den amtierenden Meister ausverkauft.  Und wieder einmal gingen die wunderschönen Gesänge aus der Cannstatter Kurve schon weit vor Anpfiff lautstark durch das Rund. Das Intro auf den Stehern ging mal wieder mit reichlich Materialeinsatz vor sich und tauchte den Unterrang in die geliebten Vereinsfarben. Da der BVB mit einer beachtlichen Anzahl von Leuten anrückte, spürte man, daß man wirklich Gas geben wollte. Nach dem vielumjubelten 1:0 durch Tasci wurde das altbekannte „Ole Ola“ angestimmt, und es wurden Erinnerungen an die wunderschöne Meistersaison 06/07 wach. Auch kamen die Spruchbänder diesmal nicht zu kurz. Der Schwabensturm prangerte die reißerische Berichterstattung der Medien zu den unterwöchigen Vorkommnissen im DFB-Pokal an, das CC97 beschränkte sich auf Gratulationen in Richtung Italien. Die befreundete Gruppe der Weißschwarz-Brigaden Cesena feierte ihr 30-jähriges(!) Bestehen. In der zweiten  Halbzeit erreichte man erst wieder größere Lautstärken durch beinahe schon traditionelle Pöbeleien in Richtung der Ruhrpottler.

Wie schon gesagt, kam Dortmund mit einem richtig motivierten Haufen an. Der Gästeblock drohte auseinanderzuplatzen, und auch in den angrenzenden Blöcken der Gegentribüne und Untertürkheimer Kurve war schwarzgelb die dominierende Farbe. Beeindruckend, muß man schon sagen. Wie schon bei den Hamburgern wurde auf Optik seitens Unity Dortmund wenig Wert gelegt, die akustische Wirkung des Supports stand im Vordergrund. Und die Lieder wurden durch den schwarzgelben Anhang mit viel Leidenschaft und Durchhaltevermögen intoniert. Der bisher stärkste Support durch eine Gästekurve im neuen Neckarstadion.

18
Okt
11

VfB Stuttgart 1893 e.V. – TSG 1899 Hoffenheim (Bundesliga) 2:0

Die Woche vor dem Spiel war geprägt von großer Medienaufmerksamkeit. Derby? Nein, wirklich nicht. Zum Einen ist der Begriff reichlich überstrapaziert, da so ziemlich jedes Spiel mit einer mittleren bis großen Brisanz als ein Derby eingestuft wird. Das Spiel vom Samstag war allenfalls ein Regionalduell, da es für ein Derby eine lange Zeit von Begegnungen auf Augenhöhe benötigt, die mit entsprechender Verve von den rivalisierenden Kurven begleitet wird. Und das spiegelte das Spiel vom Samstag keinesfalls wieder. Hochklassig war es auch nicht, es war ein nüchterner Arbeitssieg des Traditionsvereins, der zeigte, daß man mit wenig spielerischem Aufwand irgendwelche Laufkundschaft 2 Tore einschenken kann und damit heimschicken kann.
Aber genug der (imho berechtigten) Kritik, es geht weiter mit der Einzelkritik der VfB-Spieler.

Ulreich: War bei 3 Schüssen, die von den Kraichgauern kamen, auf dem Posten und konnte diese souverän entschärfen. Somit ist das „Zu-Null-Spiel“ absolut motivationsfördernd.

Boulharouz: Ein guter Auftritt auf der rechten Seite, ganz ehrlich, so schnell wie am Samstag habe ich den schon lange nicht mehr rennen sehen. Und hinten hatte sein Handeln Hand und Fuß.
Tasci: Bis auf den Bock, den er sich gegen den schnellen Firmino leistete, bot er eine ordentliche Leistung. Weiter so!
Maza: Am Samstag hat er bei mir den Spitznamen „Die Grätsche vom Neckar“ bekommen. Sehr ansprechende Leistung in der Innenverteidigung.
Boka: Nach vorne war er sehr engagiert, das Zusammenspiel mit Okazaki, Kvist und Hajnal klappte gut. Hinten leistete er sich jedoch einzelne Stellungsfehler, bei denen man froh sein kann, daß nicht mehr passiert ist.

Harnik: Tat viel, rannte noch mehr, sah mitunter aber etwas glücklos aus. Im System mit 2 Spitzen geht er so etwas unter, daß er leider sogar von Mitspielern beim Abschluß behindert wird.
Kvist: Spielte wie schon in Kaiserslautern als einziger 6er mit großem Aktionsradius. War deshalb viel unterwegs und brachte wieder eine gute Leistung.
Hajnal: Für mich neben Pogrebnyak bester Mann auf dem Feld. Hatte die Fäden im Mittelfeld in der Hand und bereitete die 1:0-Führung vor.
Okazaki: Mal wieder „Domo arigato, Shinji-San“! Ein guter Auftritt; laufstark, engagiert, mit großem Einsatzwillen. Krönte seine Leistung mit dem wichtigen 1:0.

Cacau: Ihn sah ich eher durchschnittlich. Das Spiel lief an ihm mehr vorbei. Gut war, daß er es selbst zu merken schien, damit aber nur noch fahriger agierte und sogar Harnik am Torschuß zum möglichen 3:0 behinderte.
Pogrebnyak: Eine der besten Partien von Pogrebnyak seit er da ist. Inzwischen traut er sich sogar größere Nervenstärke zu und geht weitere Wege, auch mit dem Ball.

Traoré: Kam für den ausgepumpten Okazaki. Konnte jedoch keine großen Akzente mehr setzen.
Gentner: Kam für den richtig guten Hajnal und spurtete erstmal motiviert auf den Platz. Konnte dann aber auch nichts mehr reißen.
Bah: Bekam noch letzte 2 Minuten und kam gegen Cacau. So keine Wertung möglich.

Support:
Leider kam ich aufgrund proppevoller S-Bahnen nach Bad Cannstatt erst zur Mannschaftsaufstellung ins Stadion, daß mir das „Warm-Up“ der Cannstatter Kurve entgangen ist. Alles, was ich noch hörte, waren großangelegte Pöbeleien in Richtung des Gegners. Heute kam eher der optische Aspekt zum Tragen, das Intro mit sehr großem Materialeinsatz, was natürlich imposant aussah. Während des Spiels gab es die üblichen Spruchbänder, mit denen man harsche Kritik am „Geschäftsmodell Hoffenheim“ und dessen Gönner D. Hopp übte. Jedoch wurde von Seiten des CC97 nicht vergessen, den Sconvolts (befreundete Ultrá-Gruppe aus Cesena) zum 25-jährigen Bestehen zu gratulieren. Auf Italienisch, versteht sich. Akustisch tat man nur so viel wie gegen einen kleinen Kraichgauer Haufen vonnöten war. Beachtliche Lautstärke erzielte neben dem Jubel zu den beiden Toren noch der allseits bekannte Gassenhauer „Jaaa, der VfB“ und diverse Pöbeleien gegen den Gegner. Weiterhin erfreulich ist, daß das schöne Lied „Oh VfB hier im Stadion“ sich in der Kurve immer weiter verbreitet.
Was ist über den Kraichgauer Support zu sagen? Naja, ich versuche es mal. Wie schon erwartet, wurde der Gästeblock gerade mal zur Hälfte annähernd gefüllt, und so hielt sich das hörbare Engagement in Grenzen. Optisch wurde man Zeuge eines Luftballon-Intros in den badischen Nationalfarben, das jedoch sämtliche Originalität vermissen ließ, nachdem die Schalker schon damit am ersten Spieltag den Gästeblock schmückten.

13
Okt
11

Nachbetrachtung VfB Stuttgart 1893 – Hamburger SV (Bundesliga) 1:2

Beginnen möchte ich meine (leider verspätete) Nachbetrachtung mit dem allseits bekannten Zitat aus Nick Hornbys Roman „Ballfieber“: „Nicht Du suchst Dir den Verein aus, er wird Dir gegeben“ und es ergänzen um „… und wenn es sich um den VfB Stuttgart handelt, dann tut er nicht das, was Du erwartest“ Und da sind wir auch schon voll in der Misere des Tages, obwohl die Vorzeichen fraglos gut waren. Gegen Schalke und Hannover wurden zwei vielumjubelte, wenn auch überraschende 3:0-Heimsiege eingefahren, das unnötige 0:1 gegen den Plastikverein nordwestlich von Köln war vielmehr ein Ausrutscher. Und der Tisch war gedeckt, das erste Flutlichtspiel in der neuen Heimat, Wasenbeginn, und ein Bundesligagründungsverein als Gegner, der bisher mehr als Schießbude der Liga diente. Leider wollten die Hanseaten uns und dem Rest beweisen, daß die auch anders können, was zu einigem Unmut führte.

Und genau dies ist der zentrale Teil meines Logs, dem die Spielereinzelkritik zum Opfer fällt. Anders als in den Spielen zuvor trat der HSV diszipliniert, trotzig und mit einer gewissen Portion Fortune in Stuttgart an. Anders wäre der 2:1-Führungstreffer durch Robert Tesche, volley aus rund 16 Metern wohl schwer zu erklären gewesen. Diese Tatsache schmeckte natürlich dem Cannstatter Anhang überhaupt nicht, nur war die Art und Weise, dieses zu äußern, unpassend. Vielleicht gehöre ich eher zu den Fans, die froh sind, daß ihr Verein existiert und momentan passabel und bequem dasteht. Die Sorgen sind in Hamburg, Augsburg und Wolfsburg, und wir grüßen von weiter oben. Nicht so für Andere, die an diesem 24.09. in der Kurve gestanden sind, ein hohles Gepfeife gepaart mit Beschimpfungen gegen das eigene Team von sich gegeben haben, und sich mit ihrem Tun im Recht fühlten, hatten sie doch um die 30 Euros für ihre Karte bezahlt. Sorry, das ist für mich armselig, wenn manche Leute meinen, sie könnten sich einen gesicherten Heimsieg mit Bier und Stadionrote erkaufen. Ganz besonders vor dem Hintergrund, daß es in meinen Augen selbstverständlich ist, zu einer neuen Saison der Mannschaft wieder Kredit einzuräumen und damit wie alle anderen bei 0 loszurennen. So manifestiert sich ein Operettenpublikum, das im knallroten Gummiboot zu Fröttmaning deutlich besser aufgehoben wäre. Das mögen jetzt viele anders sehen, aber das ist meine Meinung.

Dabei fing supporttechnisch in der Cannstatter Kurve alles recht vernünftig an. Schon eine Dreiviertelstunde vor dem Spiel begann sich die Kurve mit schönen Melodien warmzusingen, gespickt mit einigen Pöbeleien gegen die Hamburger, die in der in Cannstatt meistgehaßten Farbe antraten, nämlich blau. So ging das Ganze auch schön weiter, bis die Ansage kam, daß der Stehplatzblock wieder einmal hoffnungslos überfüllt sei, da manche meinen, ihr eigenes Recht bauen zu müssen. Nun ja, muß nicht sein. Es hing mal wieder das bereits traditionelle „Anti-Norddeutschland-Banner“ herum, das mittlerweile von den Hamburgern eher sportlich genommen wird. Nach einem klassischen, aber schönen Intro mit viel Fahnen- und Doppelhaltereinsatz ging es ganz gut los. Einige Leute haben auf dem Wasen vorgeglüht, womit es sich leichter singen läßt. Einige wiederum haben es aber wohl zu gut gemeint, so daß das Engagement – sagen wir mal – etwas eingeschränkt rüberkam. Pluspunkte beim gegnerischen Anhang sammelte das Transparent des Schwabensturms („Pro Volksparkstadion“), mit dem man auf die x-te Umbenennung der Hamburger Heimat in „imtech-Arena“ aufmerksam machte.

Hamburg kam auch sehr trotzig auf den Rängen rüber, da alleine zahlenmäßig starke 2.000 Leute sich einfanden, die die Raute im Herzen tragen und lange Anfahrtswege auch an einem unschönen Freitagabendtermin in Kauf nehmen. Alleine vor so einer Leistung muß man den Hut ziehen. Klar ist natürlich auch, daß der HSV historisch bedingt eine größere Anhängerzahl bundesweit hat, die eben nicht diese 600 km hinter sich bringen mußten. Optisch war sehr wenig geboten, auch machte die Beflaggung des Zaunes einen sehr unordentlichen und damit wenig aussagekräftigen Eindruck. Akustisch ging jedoch, auch gefördert durch den Auftritt der Akteure auf dem Rasen, einiges. Schon alleine die groß angelegte Hüpfeinlage, in der ein Großteil des Gästeblocks miteinbezogen wurde, rang mir ein anerkennendes Nicken ab.




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